Heute ist der 8. März, der internationale queerfeministische Kampftag und es gibt viele gute Gründe, warum wir heute am Görli demonstrieren.
Seit Jahren versuchen viele Medien und der Berliner Senat die Erzählung zu verbreiten, der Görlitzer Park sei ein Ort, an dem es nichts anderes gäbe, als Drogen und Gewalt, und von dem eine hohe Gefahr ausgehen würde. Angeblich besonders gefährlich für FLINTA, oder seien wir ehrlich: tatsächlich geht es Presse und Politik doch eigentlich immer nur um Cis-Frauen.
Seit Jahren wird versucht, hier auf dem Rücken von FLINTA Politik zu machen.
Anlass für die Pläne, den Park einzuzäunen und abzuriegeln, war die Behauptung, im Park gäbe es besonders viele Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Frauen. Für Presse und Politik, mit ihrer rassistischen Weltsicht, waren die Schuldigen natürlich schnell gefunden: Es wären angeblich die Dealer, die Ausländer, die POCs, die sich im Görli aufhalten.
Überraschung: Es stellte sich heraus, dass das nicht stimmte, und der Senat wieder einmal bewusst mit Falschbehauptungen um sich warf. Eine Abfrage der offiziellen Zahlen hat ergeben: Die Vorfälle sexualisierter Gewalt im Kiez waren zum überwiegenden Großteil nicht im Görli selbst passiert, sondern außenrum: Und zwar in Privatwohnungen, in Kneipen, in Hostels und auf Partymeilen.
Fakten waren dem Senat aber egal, und die teuren Pläne, den Zaun zu bauen, wurden gegen den Willen der Anwohnerschaft, des Bezirks und gegen die Einschätzung von allen Expert:innen von oben herab befohlen und umgesetzt.
Während die Stadt weiterhin hunderttausende Euro für die Bewachung und Instandhaltung des Zauns ausgibt, kürzt sie das Geld im sozialen Bereich. 800 Millionen Euro sollen insgesamt eingespart werden, betroffen davon sind unter anderem Gewaltschutzprojekte für FLINTAs, auch hier im Kiez. Wir denken, die 800.000 Euro, die jährlich für die nächtliche Schließung und Bewachung des Görli-Zauns eingeplant sind, wären in Gewaltschutzprogramme, Frauenhäuser, Konsumräume und Jugendtreffs deutlich besser investiert, als in ein völlig sinnloses Prestige-Projekt, das soziale Probleme von A nach B schieben und Gewalt fördert!
Dieser Zaun, der jetzt gebaut wurde, soll Menschen nachts aus dem Görli raushalten. Menschen, die in ihm wohnen, sich dort zurückziehen, weil sie keinen anderen Ort dafür haben, die mit dem Fahrrad durchfahren, oder die da einfach abhängen wollen.
Jetzt stehen wir da, vor verschlossenen Toren bei Nacht, die unseren Heimweg blockieren, bzw. noch unsicherer machen, weil wir jetzt durch verlassene Straßen außenrum laufen müssen.
Wir sind unglaublich wütend darüber, dass auf unserem Rücken und zu unserem vermeintlichen Schutz Gewalt gegen Flinta Personen intrumentalisiert wird, um politische Interessen durchzuwinken.
Und ja, die Angst, nachts durch Straßen oder Parks zu gehen ist real, weil Übergriffe gegenüber Flintas oder unangenehme Situationen ständig stattfinden. Viele unter uns teilen diese Erfahrungen und wir wollen diese nicht schönreden. Aber wir wollen uns davon nicht einschüchtern lassen und wir brauchen keine Politiker*innen, die, ohne uns zu fragen, entscheiden, dass ein Zaun für uns am sichersten sei!
Jetzt wo der Görli nachts abgeschlossen ist, führen viele Heimwege über den Schlesischen Busch oder das Görlitzer Ufer, also dunkle Wege, die im Gegensatz zum Görli nachts so gut wie ausgestorben sind. Ob wir uns dort sicherer fühlen? – Wohl kaum! – Aber danke lieber Senat für eure Fürsorge!
Das Problem ist nicht der Görli, und diesen Park einfach abzuriegeln löst nicht unsere Probleme! Wir fühlen uns nicht sicherer durch eure Zäune, Kameras und auch nicht durch die jetzt angekündigte KI-Überwachung!
Es ist keine nachhaltige Lösung, Orte einfach abzuschließen. Das führt zu Verdrängung, es schränkt unsere Bewegungsfreiheit ein und nimmt uns unsere Freiräume. Dieser Zaun hilft niemandem! Dieser Zaun bewirkt keine Sicherheit, sondern Verdrängung von Problemen, die der Senat nicht angeht!
Wir haben es satt, dass soziale Probleme gegeneinander ausgespielt werden und dass wir, anstatt über die wirklichen, strukturellen Ursachen zu sprechen, dagegen protestieren müssen, dass Gewalt gegen Flintas instrumentalisiert wird um gegen Migrant*innen zu hetzen!
Ein ernsthaftes Interesse am Schutz von FLINTAs bedeutet den Schutz aller FLINTAs, unabhängig ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, unabhängig ihres sozialen Statuses und ihrer Wohnsituation!
Ein ernsthaftes Interesse am Schutz von Flintas heißt: Kein Scheiß-Zaun um den Görli, keine Zäune nirgendwo! Bullen raus aus dem Görli! Soziale Sicherheit für ALLE!
Wenn wir gleich laut und kämpferisch durch die Straßen dieser Stadt ziehen, werden wir auch durch den Görlitzer Park laufen. Dort wollen dort nochmal unüberhörbar deutlich machen: Das sind unsere Straßen! Das ist unser Park! Und keine Politiker:innen, keine Bullen und kein Wachschutz haben uns zu sagen, wann und wo wir uns aufhalten dürfen oder was wir dort tun und lassen sollen!
Kai Wegner, leck meine Eierstöcke!
Der Görli bleibt auf!







