Absperrungen Görlitzer Park: Gravierender Pfusch am Bau

Dass Berlin sich bei größeren Bauprojekten gerne zum bundesweiten Gespött macht, ist bekannt. Auch beim offenbar weitgehend beendeten und mittlerweile wohl abgenommenen Bau der Absperrungen rund um den Görlitzer Park wurden diverse gravierende Baufehler gemacht.

Flo Grünbaum von Görli 24/7:

„Wir als Aktivist*innen gegen die Görli-Schließung sind über die diversen Baufehler nicht unglücklich. Wir fragen uns aber schon: Wie ist es möglich, dass solche haarsträubenden Fehler eine Baufirma unterlaufen können? Wie ist es möglich, dass der Berliner Senat eine Baumaßnahme voller Fehler offenbar als auftragsgemäß erledigt abgenommen und freigegeben hat? Hat vielleicht der Willen des Berliner Senats, den Görli endlich abschließen zu wollen, dazu geführt, dass eine Bausache voller Mängel abgenommen und freigegeben wurde?“

Die der Baufirma unterlaufenen und offenbar vom Senat akzeptierten Baufehler sind dabei nicht kosmetischer Art, sondern bedeuten gravierende Funktionsmängel.

Festzuhalten bleibt, dass mindestens die Hälfte der 16 gebauten Tore aufgrund von Baumängeln ihre eigentliche Funktion nicht erfüllen können. Auch jenseits von vielfältigen aktuellen Beschädigungen muss aufgrund der Baumängel in Zukunft also voraussichtlich dauerhaft zu improvisierten Maßnahmen wie Kettenschlössern gegriffen werden, um den Görlitzer Park abzusperren.

Das Prinzip der Flügel-Tore ist eigentlich immer dasselbe: Ein einfaches Schloss verbindet zwei Torflügel, diese werden jeweils einzeln noch am Boden verankert, um zu verhindern, dass die Tore einfach aufgedrückt werden können. Hinzu kommen zwei Schiebetore.

Bei mindestens vier Flügel-Toren wurde so schlampig (pfuschig oder stümperhaft?) gebaut, dass der Riegel nicht die Zarge erreicht, der Abstand zwischen zwei Torflügeln bzw. Torflügel und Pfosten also zu groß ist. Die Lücke reicht hier von wenigen Zentimetern bis zu etwa 30 cm (!) beim Tor Eingang Ohlauer Straße. Diese fachwidrige Ausführung hat ebenfalls zur Folge dass eine Verankerung der Torflügel am Boden nicht oder nicht fachgerecht möglich ist (etwa Eingang Skalitzer Straße).

Weitere mindestens vier Flügel-Tore wurden von vorneherein falsch konstruiert. Bei diesen Toren steigt der Boden nach innen an. Um eine Öffnung nach innen möglich zu machen, wurde der unterste Teil des Tores mit einer Klapp-Konstruktion versehen. Übersehen wurde dabei, dass der Klapp-Mechanismus es unmöglich macht, die Torflügel am Boden zu verankern. Entsprechende Löcher für eine Verankerung nach unten wurden bei diesen Konstruktionen im (vorhandenen) Bodenanker erst gar nicht angebracht (etwa Görlitzer Straße 70 und 72).

Von den zwei Schiebetoren ist mindestens eines (Ohlauer Straße) ebenfalls so falsch gebaut, dass die vorgesehene Schließverbindung zwischen Tor und Pfosten nicht greift. Beim zweiten Schiebetor (Lübbener Straße) ist unklar, ob es wie vorgesehen abgeschlossen werden könnte, da das Schloss offenbar mit Kleber sabotiert wurde.

Flo Grünbaum von Görli 24/7:

„Die Schließung des Görlitzer Parks war von vornherein eine populistische und rassistische Maßnahme des Senats, die vor Ort auf breite Ablehnung stößt. Die vorhandenen Baumängel zeigen, dass der Senat nicht nur auf teure und unsinnige Maßnahmen setzt, sondern dann auch noch unfähig ist, diese umzusetzen. Mittlerweile macht sich der Senat mit dem Vorgehen am Görlitzer Park zum bundesweiten Gespött. Nicht umsonst haben der Senat und Bürgermeister Wegner katastrophale und weiter sinkende Zustimmungswerte bei der Bevölkerung.“

Der Senat hat für nicht funktionierende Sperrmaßnahmen um den Görli bereits knapp 2 Millionen Euro ausgegeben. Mindestens eine weitere Million wurde bereits für die – offenbar umfassend erfolglose – polizeiliche Überwachung der Görli-Baustellen ausgegeben, weitere mindestens 300.000 Euro für ebenso erfolglosen privaten Wachschutz.

Flo Grünbaum:

„Wir fordern, dass das teure, sinnlose und populistische Projekt Görli-Schließung umgehend beendet wird, der Görlitzer Park ab sofort wieder Tag und Nacht frei zugänglich ist und der Senat endlich für eine ausreichende Finanzierung von sinnvollen Maßnahmen wie bezahlbarem Wohnraum für alle, Sozialarbeit vor Ort und Angebote für drogengebrauchende und psychisch belastete Menschen sorgt.“

Die vielfältigen Sabotage-Aktionen gegen die breit abgelehnte Schließung des Görlitzer Parks gehen im übrigen weiter. Aktuelle Infos finden sich auf unserer Homepage.

Fotos der Baumängel an den Toren können auf Anfrage gerne in größerer Auflösung zur Verfügung gestellt werden.

Initiative Görli 24/7

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