Wieder einmal wurde ein Mensch in der Öffentlichkeit queerfeindlich attackiert, diesmal war es ein schwulenfeindlicher Angriff im Görlitzer Park.
Nach Medieninformationen wurde die Person körperlich leicht verletzt. Wir sind sehr wütend über diesen Vorfall und hoffen, dass der Betroffene ausreichend Versorgung und Unterstützung erhält.
Queerfeindliche Gewalt im öffentlichen Raum hat in den vergangenen Jahren massiv zugenommen und in Berlin einen neuen Höchststand erreicht.
Der Görlitzer Park ist sicher einer der momentan bestbewachtesten Orte Berlins mit unglaublich hoher Polizeidichte. Der Angriff im Görli zeigt wieder einmal, dass auch hohe Polizeipräsenz vor solchen Taten nur bedingt schützen kann. Im Gegenteil: Viele Menschen, die nicht dem klassischen Bild heterosexueller Binarität entsprechen, berichten von schlechten Erfahrungen mit der Polizei, bei welchen sie selbst von dieser etwa diskriminiert oder nicht ernstgenommen wurden.
Was es also stattnoch mehr Polizei und Überwachung bräuchte, wären u.a. breit aufgestellte Präventionsmaßnahmen, wie Bildungsangebote gegen Menschenfeindlichkeit, auch etwa an den Schulen. Es braucht ein breites Spektrum an Hilfseinrichtungen für Betroffene struktureller, wie in diesem Fall queerfeindlicher Gewalt. Hier sehen wir auch den Senat in der Pflicht: Statt bei solchen Angeboten zu kürzen, müssen diese ausgebaut werden.
Es braucht uns als Nachbar*innen und Zivilgesellschaft, dass wir nicht die Augen verschließen, sondern (je nach unseren Möglichkeiten) eingreifen, wenn wir solch strukturelle Gewalt mitbekommen.
Im Zuge der zunehmenden Faschisierung unserer Gesellschaft verbreitet sich auch immer mehr ein queerfeindliches Menschenbild. Dem müssen wir uns entschieden entgegenstellen. Es braucht endlich ein breites und ehrliches Aufstehen gegen die rechte Bedrohung. Besonders die Berliner AfD ist gerne ganz vorne dabei, wenn es darum geht, gegen Menschen zu hetzen, die nicht in ihr eintöniges, heterosexuell-binäres Weltbild passen (jüngste Beispiele: Rechte Demos gegen das Selbstbestimmungsgesetz oder gegen Dragqueens).
Ein offen zugänglicher Görli bedeutet noch lange nicht einen Görli, in dem sich alle Menschen ohne Angst bewegen können. Aber Gewaltdelikte, die im Görli passieren, können überall in der Stadt passieren, wie die Kriminalitätsstatistiken zeigen.
Ein geschlossener Görli bringt auch keinerlei Sicherheit, für keinen einzigen Menschen, sondern trägt allenfalls zur Verlagerung, wenn nicht sogar zur Verschlimmerung von vorhandenen Problemen bei.
Wir wollen einen offenen Görli. Deshalb kämpfen wir gegen die Schließungspläne des Senats. Und wir wollen einen Görli, in dem sich alle Menschen ohne Angst aufhalten können. An diesem Ziel müssen wir gemeinsam und langfristig arbeiten: Gegen Rassismus und patriarchale Gewalt, gegen Queerfeindlichkeit und all die anderen ätzenden Diskriminierungen, gegen Polizeigewalt, Überwachung, Armut und Ausgrenzung auf allen Ebenen.
Hinweis: „Queer“ beinhaltet alle Identitäten oder Orientierungen, die von traditionell gesellschaftlichen Normen in Bezug auf Sexualität und Geschlecht abweichen. z.B. schwul, lesbisch, bi, trans, nichtbinär, agender, inter, genderfluid, etc.







