Am 1. März war es so weit: 2,5 Jahre nachdem der Berliner Lumpenmeister auf die geistreiche Idee kam, die Umzäunung des Görlitzer Parks zu befehlen, wurde der Görli nun kurzerhand abgeschlossen. Natürlich nicht ohne Begleitung von allerlei Protesten und Sabotagen:
Nachdem 2 Tage zuvor noch ein Flügeltor auf mysteriöse Weise aus der Verankerung brach und am Tag der Schließung keines der Schlösser funktionierte (aufgrund von gravierenden Baumängeln, Verklebung und seltsamen Deformationen) wollte man dringend eine Blamage vermeiden und improvisierte mit Bauzäunen, Kettenschlössern und am Tor abgestellten Bullenmännchen.
Das Drehkreuz, welches letztes Jahr im Landwehrkanal baden war, wieder eingebaut wurde und mittlerweile schon wieder durch verbogene Streben blockiert ist, ist übrigens bis heute nicht funktionstüchtig und mit Bauzäunen abgesperrt.
Am Sonntag Abend versammelten sich rund 500 Parknutzende am Pamukkale und protestierten zu Musik und Redebeiträgen, bis gegen Mitternacht die meisten Menschen den Park selbstbestimmt verließen, also 2 Stunden nach der offiziellen Schließung. Die 200 Bullen bekamen offensichtlich die obrigkeitliche Anweisung der Zurückhaltung. Das fanden aber viele Cops offenbar nicht so gut, und so gab es bei nächster Gelegenheit eine Anzeige wegen der Aussage „Kai Wegner ist ein Lumpensohn“ und eine Festnahme wegen Fußballspielens. Die Presse konnte ausschließlich Stimmen von Menschen einfangen, die den Zaun gleichermaßen beschissen und die Sabotagen ziemlich gut finden.
Das Protestgeschehen ging natürlich weiter und so trafen sich am nächsten Abend an die 100 Menschen zum Cornern im Görli bei Feuerchen, Mukke und Grillkäse. Laut diversen Medienberichten und dpa Pressemeldung verzögerten etliche Fahrradschlösser an den Eingangstoren diesmal die Schließung. Kurz nach 22 Uhr platzierten sich einige Cops rund um unser schönes Treffen, leisteten aber kurz darauf den Sprechchören „Bullenschweine raus aus dem Görli“ folge und zogen sich in Begleitung eines Flaschenwurfs zurück. Später haben sie sich beim Grill Ausmachen auch noch ziemlich dusslig angestellt. Auch an diesem Abend verließen die letzten Menschen gegen Mitternacht selbstbestimmt den Park.
In den darauffolgenden Tagen mussten die Cops anscheinend schon wieder etliche Male mit dem Bolzi anrücken, um angebrachte Fahrradschlösser zu entfernen, die die Schließung der Tore blockierten, und außerdem den sichtlich überforderten privaten Wachschutz im Gänsemarsch begleiten, der eigentlich für die Schließung zuständig ist. Was das wieder an Einsatzstunden kostet… Übrigens: günstige Fahrradschlösser gibt es schon für wenige Euro.
Desweiteren sind diverse Infotafeln, die uns anscheinend über irgendwelche Schließzeiten und Ausgänge informieren sollen, mittlerweile unleserlich.
Am 8. März zogen zur jährlichen „Fight by Night“-Abenddemo über 3000 Menschen lautstark durch den Görli, sodass zwischendurch kein Ende in Sicht war. Für den Schutz von FLINTA müsste viel getan werden, aber sicherlich kein Bau eines millionenteuren Zauns, der lange Umwege über dunkle, menschenleere Wege erzwingt. In der Nacht auf vom 8. auf den 9. März wurde der Eingang Ohlauer Straße geöffnet, wie u.a. bei Indymedia berichtet wurde.
Wir sind sehr erfreut über die Kreativität vor Ort. Die Menschen in Kreuzberg haben keine Lust, sich an diesen Scheiß-Zaun oder irgendwelche Schließzeiten „zu gewöhnen“, wie das der Senat vorschlägt. Deshalb: Bildet Banden!

Demnächst werden wohl durch das Bündnis Görli Zaunfrei die Anwohnenden-Klagen gegen den Zaun eingereicht. Und wir rechnen fest mit weiteren Proesten, seien es gemeinsames und renitentes Abhängen und Cornern im Park, angemeldete und unangemeldete vielfältige Aktionen und natürlich auch weitere Sabotagen an den äußerst unprofessionell und alles andere als stabil konstruierten Sperranlagen.
Auch die Revolutionäre 1. Mai-Demo wird dieses Jahr am Görli vorbeiziehen und wir werden laut Veranstalter sehen, „was Stahl und Beton gegen den Widerstand von Zehntausenden so alles aushalten kann.“
Wenn ihr was mitkriegt, seien es Ankündigungen oder Sabotagen, lasst es uns gerne wissen und kontaktiert uns per Mail oder Instagram. Auch Fotos sind immer gerne gesehen, um beispielsweise kaputten Toren eine angemessene Öffentlichkeit zu verschaffen.
Ab April soll übrigens an Kotti, im Görli und an der Warschauer Straße mit der Intallation der zukünftigen dauerhaften und KI-gestützten Videoüberwachung begonnen werden. Auch hier hoffen wir auf breiten Protest – und Widerstand.
Sowieso ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Unser Görli? Bleibt offen! Guter Wohnraum für alle, bezahlbare Mieten und echte Teilhabe für alle statt populistischen, ausgrenzenden, rassistischen Aussperrungen!